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26.01.2017
Bund Naturschutz lehnt geplant Umgehungsstraße in Stadtprozelten ab. Vorsitzender Steffen Scharrer : Vom Mainvorland wird nicht viel übrig bleiben

Die Oberste Baubehörde hat in ihrem 7. Ausbauplan für die Staatsstraßen in Bayern für die Ortsumgehung Stadtprozelten der St 2315 eine Umweltrisikoeinschätzung erstellt. Als Ergebnis wurde das Risiko zusammenfassend als „hoch“ eingestuft. Eine erhebliche Beeinträchtigung der Natura 2000 Gebiete „Buntsandsteinfelsen am Main und die Maintalhänge zwischen Bürgstadt und Wertheim ist möglich!

Dazu spielt der hohe Flächenverbrauch eine entscheidende Rolle. Die Baumaßnahme würde rund. 2,2 ha zusätzliche Fläche in Anspruch nehmen, die zum größten Teil den Hochwasserdurchfluss im Mainvorland einengen würde. Die Planung bedeutet konkret: Mitte Gleisbett der Bahn bis Außenkante Sandsteinverkleidung Arkaden ca. 15m, danach Freifläche ca. 3m, im Anschluss noch der Radweg von 3m. dann kommt bereits kurz danach der Main. Wo bleibt dann das Mainvorland?

Der BN-Vorsitzende des Bundes Naturschutz im Landkreis Miltenberg Steffen Scharrer: „Zusätzlicher Flächenverbrauch bei zukünftig zu erwartenden steigenden Hochwassermarken in einer derart sensiblen Lage ist nicht zu verantworten. Die Einengung des Hochwasserquerschnitts hätte auch auf der Mondfelder Mainseite erhebliche Auswirkungen durch Anstieg der Hochwasserlinie.“

Der relativ geringe Verkehr in Stadtprozelten mit ca. 4.000 Fahrzeugen pro Tag rechtfertigt - für sich alleine betrachtet - keine Ortsumfahrung. Ein nachhaltiger Hochwasserschutz ist dagegen unumgänglich. Nach aktueller Auskunft des Wasserwirtschaftsamtes liegen die Kosten der Hochwasserschutzmaßnahme ohne Ortsumfahrung bei ca. 6-7 Mio. €. Davon hätte die Stadt Stadtprozelten als Beteiligte einen Anteil von 35% zu tragen, also überschaubare 2,1 – 2,45 Mio. €. Die Realisierung einer Kombination aus Ortsumfahrung und Hochwasserschutz würde die anteiligen Kosten für die Stadt vermutlich erheblich erhöhen. Schätzungen liegen hierfür noch nicht vor. Der stellvertretende BN-Vorsitzende Dr. Hans Jürgen Fahn fordert die Veröffentlichung der bereits erhobenen Daten zum Ziel-, Quell- und Durchgangsverkehr. Ohne diese Daten ist nicht abzuschätzen, wie viele Kfz die Umgehungsstraße benutzen werden. „Die Ergebnisse der Verkehrsbefragung in Stadtprozelten nicht zu nutzen, um vor dem Bürgerentscheid Klarheit über die Entlastungswirkung der Umgehungsstraße zu erlangen, ist nicht nachzuvollziehen. Nach der Wahl braucht es keine Prognosezahlen mehr. Wie rechtfertigen sich also die Kosten für diese Untersuchung, wenn man sie nicht zur Entscheidungsfindung verwendet?“, so Marion Gado, vom Arbeitskreis Verkehr des BN.

Fazit für den BN: „Angesichts der momentan unkalkulierbaren Kosten für Ortsumfahrung und Hochwasserschutz einerseits und dem als „hoch“ eingestuften Umweltrisiko andererseits ist eine Umsetzung des Stadtentwicklungskonzeptes mit kombinierter Ortsumfahrung und Hochwasserschutz nicht zu empfehlen. Vielmehr sollte dem unvermeidlichen Hochwasserschutz jetzt Vorrang gegeben werden.“

Und weiter: „Wenn die bisherige Staatsstraße zur Gemeindestraße abgestuft wird, fallen Straßenausbaubaubeiträge an. Dann kommt das böse Erwachen!“, so Werner J. Zöller vom BN-Arbeitskreis Verkehr. „Für den BN Klar ist klar, dass in Stadtprozelten flächendeckend Tempo 30 eingeführt werden müsse“, fügt Zöller an, denn Tempo 30 sorgt für sinkende Lärmbelastung und verminderte Unfallgefahr.