11.09.2016
Oberschlesische Kulturtage am 10. September 2016 in Nürnberg

Wir können stolz darauf sein, dass die kulturellen Errungenschaften aus Jahrhunderten nicht in verstaubten Bücherregalen konserviert, sondern an Tagen wie heute mit Leben gefüllt werden. Um wieviel ärmer, wäre unsere Gesellschaft, wenn beispielsweise eine Instanz wie der Staat ernst machen würde und beginnt ... (Lesen Sie weiter - meine ausführlichen Grußworte)

Sehr geehrter Herr Schwider (Landesvoristzender),

sehr geehrter Herr Masnitza (Kreisvorsitzender),

sehr geehrte Landsmannschaft,

sehr geehrte Damen und Herren,

ich darf Ihnen die warmherzigsten Grüße der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion übermitteln und darf gleich vorwegnehmen, dass es für mich nicht nur als Politiker, sondern auch als Privatmann immer eine wahre Wonne ist, zu sehen, welche Vielfalt unser Brauchtum und unsere Kultur im Freistaat hat … und wie intensiv sie von so vielen Bürgern auch rege gepflegt wird.

Wir können stolz darauf sein, dass die kulturellen Errungenschaften aus Jahrhunderten nicht in verstaubten Bücherregalen konserviert, sondern an Tagen wie heute mit Leben gefüllt werden. Um wieviel ärmer, wäre unsere Gesellschaft, wenn beispielsweise eine Instanz wie der Staat ernst machen würde und beginnt, diese Vielfalt durch Vorgabe einer verordneten „Leitkultur“ einzuschränken? Wenn „Kultur“ in unserer Gesellschaft wieder zum Kampfbegriff wird, der polarisieren und nicht integrieren soll?

Kultur kann und darf nicht staatlich verordnet werden, meine Damen und Herren. Es ist Auf-gabe der Gesellschaft, ihre eigenen Kulturen zu bewahren, zu leben und auch fortzuentwickeln.

Und – offen gestanden – bei dem Engagement, das ich hier heute für den Erhalt der schlesischen Errungenschaften sehe, wird mir nicht bang, dass unsere landsmannschaftliche Kulturpflege hier in guten Händen liegt.

Meine Damen und Herren, die diesjährigen Kulturtage nehmen die Zeit des Hochbarock mit seinen zeitgenössischen Dichtern Angelus Silesius und Martin Opitz in den Blickpunkt. Zwei Dichter, die in einen der wüstesten Zeitabschnitte unserer Geschichte hineingeboren wurden. Sie waren Zeitzeugen des Dreißigjäh-rigen Krieges und ihre Biografien spiegeln den kriegerischen, gewalttätigen und leidvollen Kampf um eine „religiöse Leitkultur“ im Herr-schaftsbereich der römisch-deutschen Kaiser wider. Beide Dichter wurden vom Zeitalter der Konfessionalisierung geprägt: Angelus Silesius, der sich als Protestant 1653 zum Katholizismus bekannte, Martin Opitz, der als Protestant 1626 zum Sekretär des katholischen Grafen Karl Hannibal von Dohna ernannt wurde, der wiederum wegen seiner berüchtigten Pro-testantenverfolgungen während der schlesischen Gegenreformation in die Geschichtsbücher einging.

Meine Damen und Herren, ich bin immer sehr dafür, in der Politik die Geschichte als mahnenden Ratgeber für die Gegenwart heranzuziehen.

Und schon die Geschehnisse zu Lebzeiten dieser zwei für die schlesische Kultur wichtigen Hochbarrock-Dichter sollte für uns an diesem Tag Denkanstoß bei der Frage sein, ob mit politischen Mitteln in unsere kulturelle Freiheit eingegriffen werden sollte, indem eine Kultur über andere gestellt wird. Die Vergangenheit lehrt uns: Das ist der falsche Weg. Das führt zu Unfrieden, ja das kann wie vor 400 Jahren zu Krieg führen!

Meine Damen und Herren, wir müssen uns immer wieder auf unsere freiheitlichen Werte rückbesinnen und dürfen nicht allzu leichtfertig mit dem Erbe umgehen, für das unsere Verfahren lange kämpfen und bluten mussten.

Meine Damen und Herren, lassen Sie uns diese oberschlesischen Kulturtage auch zum Anlass nehmen unser Zusammenleben klüger und besonnener zu gestalten als dies in den dunklen Kapiteln unserer Geschichte der Fall war.

Ich wünsche Ihnen in diesem Geiste eine bereichernde und kulturell erquickende Veranstaltung!

Glück auf!