19.12.2016
Treffen von 90 Königinnen im Bayer. Landtag in München

Vom Untermain dabei: Die Mirabellenköniginnen aus Eisenbach Jessica Klug (2016) und Vanessa Kuhn (2014) sowie die Spessartkönigin Edeltraud Glaab aus den 80er Jahren.

Liebe Prinzessinnen, Hoheiten und Königinnen,

ich bin ob Ihres Anblicks fast schon von Sinnen.

 

Denn so viel liebliche Weiblichkeit auf einem Fleck,

erfüllt bei mir den damit einhergehenden Zweck,

 

dass mir die Worte, im Nachgang zum Schreiben,

beim Vortragen beinahe im Halse stecken blieben.

 

Dennoch heiße ich Sie, ganz unbenommen,

alle hier im Bayerischen Landtag willkommen.

 

Und hoffe, dass mir im Laufe von diesem Gedicht,

bei Ihrem Anblick nicht doch noch die Stimme bricht.

 

Ein Chauvi oder Macho, der ich nun wirklich nicht bin,

- nein, damit habe ich so rein gar nichts im Sinn, - (Ein-schub)

 

der würde Sie alle, ohne sich zu genieren,

rein auf Ihre Äußerlichkeiten reduzieren.

 

Auf das Frauenbild schlechthin, antiquiert und platt,

eben, dass eine Frau einfach nur schön zu sein hat.

 

Als schmückendes Beiwerk, wie vielleicht oft auch bei Ihnen.

So, als ob Sie wirklich nur der reinen Optik dienen.

 

Dabei scheint es mir, der Job, eine Königin zu sein,

erledigt sich bestimmt nicht mit der Optik allein.

 

Elisabeth zum Beispiel, aus England die Queen,

macht einen tollen Job, wie mir es stets schien.

 

Und das seit gefühlten ewigen Zeiten.

Dennoch lässt sich über Ihre Optik trefflich streiten.

 

Berufung oder Beruf, um die Behauptung zu wagen,

als Königin hat man nicht nur schöne Kleider zu tragen.

 

Man trägt vor allem, und das reichlich und viel,

Verantwortung für eine Aufgabe und auch ein Ziel.

 

Egal ob Königin für Spargel, Mehl, Weizen, Bier, Hopfen und Mirabellen und Wein,

für Äpfel, Kartoffel, Weißwurst, Rosen oder Mirabellen samt Stein.

 

Ihre Aufgaben gehen weit, das betone ich frei raus,

über die reine Funktion des Repräsentierens hinaus.

 

Sie stehen für Werte und Traditionen, ich sage es gerne,

aber auch für den Fortschritt derselben in die Moderne.

 

Sie alle vereinen, jede Einzelne in Ihrer Funktion,

die Errungenschaften moderner Emanzipation,

 

mit den Werten und Traditionen aus vergangenen Zeiten,

die uns bis in die Gegenwart und in die Zukunft begleiten.

 

Natürlich ist die Optik, auch in unseren Tagen,

für diese Aufgabe von Vorteil, ganz ohne Fragen.

 

Das sieht man an Ihnen, aber auch an meinen Augen,

für welche diese Optik zur Vorteilhaftigkeit taugen.

 

Doch das wichtigste an Ihnen, den Königinnen,

kommt nicht von außen, sondern zumeist von innen.

 

Hirn, im Volksmund auch Wissen genannt.

Auf andere zu wirken, auch als Ausstrahlung bekannt.

 

Stets gut gelaunt zu sein, den eigenen Weg zu finden,

sich an kein konservatives Frauenbild zu binden.

 

Alls das kommt von innen, das sind Ihre wahren Gaben,

in einem neuen Frauenbild, das Sie verinnerlicht haben.

 

Sie sind also nicht nur lediglich Trägerinnen von Titeln,

die den Eindruck der Oberflächlichkeit vermitteln.

 

Nein, Sie stehen als Frauen in diesem Job Ihren Mann.

Das verdient Respekt, weil das eben nicht jede kann.

 

Sie stehen längst nicht mehr zwischen den Stühlen der Zeiten.

Weil Sie einer repräsentativen Emanzipation den Weg bereiten.

 

Sie haben als Hoheit so manchen Spagat gemeistert.

Was nicht nur mich, sondern die Menschen begeistert.

 

 

Text der Spessartkönigin:

Das erste Landkreisfest mit der Wahl einer Spessartkönigin wurde 1973 gefeiert. Auf Initiative des Fördervereins Altenheim unter der Schirmherrschaft des damaligen Landrates Roland Eller und seiner Frau Inge war es ins Leben gerufen worden. Eine der Spessartköniginnen war Edeltraud Glaab aus Krombach. Sie berichtete am vergangenen Sonntag im bayrischen Landtag anlässlich der Veranstaltung „Das Amt der bayrischen Königinnen früher und heute“ während einer Podiumsdiskussion über ihre Wahl als 17-jährige Schülerin und die damaligen Gegebenheiten.

Vier Kandidatinnen bewarben sich um das Amt. Dafür mussten einige Hürden genommen werden. Unter anderem war ein Portrait des Hösbacher Bürgermeisters Franz Völker zu zeichnen. Es war ein Sieg nach Punkten. Die Siegerprämie belief sich auf 8oo Mark. Außerdem gab es den goldenen Bindingorden und ein Fass Bier. Letzteres ein Anlass, um mit den Klassenkameraden des Dalberg-Gymnasiums ein Sommerfest zu feiern, auf dem das Fass angestochen wurde.

Obwohl ein Ehrenamt zeigte die Schulleitung des Gymnasiums damals wenig Wertschätzung und unterstützte die Schülerin nicht. Noch heute findet sie es nicht richtig, dass ihr ein Auftritt im Heidelberger Schloss, für den sie einen schulfreien Tag gebraucht hätte, verwehrt wurde.

Im Laufe des Jahres absolvierte Edeltraud Glaab verschiedene Termine zu den Festen im Vorspessart: beispielsweise Grußworte zur Wahl der Mömbriser Apfelblütenkönigin, der Geiselbacher Blumenkönigin oder der Michelbacher Weinkönigin. „Es war auf alle Fälle ein gewinnbringendes Jahr mit schönen Erfahrungen.“, sagt sie im Rückblick. „Es ist ein Ehrenamt, das ein Einstieg sein kann, sich sozial und politisch zu engagieren. Das Sprechen vor einem großen Publikum, der Austausch mit Politikern und Vertretern aus Wirtschaft und den Medien, ein Produkt zu präsentieren fordert und fördert die eigene Persönlichkeitsentwicklung.“

Wer heute „Spessartkönigin“ googelt, wird nicht fündig. Der Erlös aus dem jährlich stattfindenden Fest war für den Bau zweier Altenzentren bestimmt. Nach seiner Fertigstellung wurde das Fest nicht mehr ausgerichtet und somit gab es auch keine Spessartkönigin mehr. Eigentlich schade!